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PERLAGGEN
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Grundlagen

Entwickelt aus dem Bieten und dem Giltspiel entstand ein Spiel, das zum Kulturerbe Tirols, nrdlich und sdlich der sterreichisch-italienischen politischen Grenze gehrt. Dieses fantastische und sehr schwierige Kartenspiel braucht ca. 6 Jahre bis zur Meisterschaft. Wie Schach. Wichtig neben Spielwitz, Intelligenz und Wagemut, ist die fundamentale Beherrschung des Regelwerkes.
Hier beziehen wir uns auf die Version des Spiels, das im Tiroler Oberland gespielt wird.

1.1 Verwendete Karten

Das Kartenset der ≡"Doppeldeutschen Karten"besteht aus den 4 Farben Herz, Schell(en), Laub und Eichel, jeweils vom Sieberner bis zum Zehner, sodann aus Unter, Ober, Knig und den Assen.

Varianten: Sdtirol: einfachdeutsche Karten; Bayern: Schafskopfkarten
¬   Andere Lnder, andere Sitten ...

1.2 Kartenwerte

Die ≡"Kartenwerte" folgen der blichen Reihenfolge: 7-8-9-10-Unter-Ober-Knig-As.
Als Besonderheit kommen aber einigen Karten stndig oder je nach Spiel besondere Werte zu:
  • eine der Farben Herz, Laub und Schell kann zur Trumpffarbe bestimmt werden
  • , und
  • einige Karten sind stndig Trumpf (stndige Perlaggen),

die sich mit den jeweiligen Trumpfperlaggen die zustzlichen Fhigkeit teilen, zu jeder beliebigen anderen Karte getauft werden zu knnen.
Es sind dies, in der Stichreihenfolge von unten nach oben:

Eichel Ober, Eichel Unter, Eichel 7
Trumpf Ober, Trumpf Unter, Trumpf 7 (Spitz, kleiner Weli)
Weli, Herz Knig.


Damit hat jedes Spiel 8 Perlaggen, davon 5 "stndige" und 3 in der jeweilig aufgeschlagenen Trumpffarbe.
Von den Trumpfkarten bleiben dann noch 8, 9, 10, Knig (auer Herz) und As brig, also sind 12 bis 13 der 33 Karten Trmpfe.
Die Perlaggen stechen smtliche Trmpfe und normalen Karten, und selbst in der getauften Form bleibt ihre Rangfolge erhalten: ist zum Beispiel Herz Trumpf, so knnen durchaus 9 Herz- Assen im Spiel sein, die hchste aber ist der getaufte Herz Knig, der ≡Martl, der als Trumpf As alle brigen, sofern er gleich hoch oder hher als diese getauft wird, sticht, (der hchste Perlagg); es folgt der Weli, dann die anderen Perlaggen oder Arkana (der eingedeutschten Mehrzahl vom lateinischen arcanum" = Geheimnis des Tarock). Es ist beraus schwierig in einer Spielsituation in der potentiellen Vieldeutigkeit die richtige Verwendung einer solchen Karte festzulegen - als Stecher, als Trumpf, oder als Teil eines bestimmten Bildes - dazu jedoch spter.
Varianten: Sdtirol: jede Farbe kann Trumpf werden, stndige Perlaggen sind Eichel 7 (der Spitz), Schell 7, Weli, Herz Knig. Das bedeutet aber, dass es mit den Trumpfperlaggen in den Farben Herz, Eichel und Schell 6 und bei Laub 7 wandelfhige Karten gibt.

1.3 Geben

Egal, ob 2,3 oder 4 Spieler spielen, wird durch Abheben des Stapels bestimmt wer gibt (der, welcher die ranghchste Karte abgehoben hat). Danach wird der Stapel gemischt, und dem zur Rechten des Gebers sitzenden Person zum Abheben gereicht. Kommt dabei einer der stndigen Perlaggen zum Vorschein, nimmt ihn der Abheber, und kann auch die jeweils folgende Karte nehmen, falls wieder ein stndiger Perlagg' kommt und erhlt in der Folge nur noch so viele Karten, dass er auf 5 Stck kommt.
Gegeben werden dann im Uhrzeigersinn in der ersten Runde 2 und in der zweiten 3 Karten.
Nach diesen 10 (bei 2 Spielern), 15 (bei 3 Spielern, wo jeder fr sich alleine spielt) oder 20 Karten ( = 2 Mannschaften) wird die nchstkommende, die kein Eichel sein darf - ≡ Eichel ist nie Trumpf - umgedreht und ist Trumpf. Sodann mu allen anderen in der Innsbrucker Variante auch der Boden des Reststapels gezeigt werden (Luck und Boden); im Oberland bleibt diese Karte unbekannt.
Ist diese Karte ein Perlagg', so kann er vom Geber mit gleicher Farbe ausgetauscht werden oder mit einem Eichelperlagg' "besser gemacht" werden. Falls der Geber nicht alle liegenden Perlaggen holen kann, ist sein Partner dran, dann kommen die Gegner reihum dran.
Wird vom Geber eine Karte mit dem Bild nach oben ausgeteilt, oder gibt er einem Spieler nicht 2 + 3 Karten, so wird neu gegeben, allerdings kann ein glcklicher Abheber seine(n) Perlagg)en) behalten und neuerlich abheben.

Und dann waren da noch folgende Bestimmungen:

# In der harten Variante bei Turnieren wird "vergeben" (4 oder 6 Karten ausgeteilt oder ein Bild zu sehen) zustzlich mit 2 Strafpunkten bedacht.
# Stellt sich allerdings heraus, dass ein Spieler mit zuviel Karten gespielt hat, ohne dies unverzglich zu melden, so verliert seine Partei alle erreichten Punkte der Runde und wird zustzlich 2 Punkte gestraft.
# Es kann durchaus vorkommen, dass Perlaggen liegen bleiben. Dann bleibt allen der Trost, dass zumindest der Gegner diese nicht hat, was die Berechnung der Spielchancen erleichtert.
# Wird beim Austauschen aber ein Fehler gemacht (dem Partner ein Perlagg berlassen), dann heit die Strafe Partieverlust! # Die jewils nchste Spielrunde gibt der zur Linken des vorherigen Gebers sitzende Gegner. # Kann man auch mit der Schrift nicht nachweisen, wer an der Reihe ist, dann wird der momentane Geber beibehalten. Wird jedoch nachweislich fallsch gegeben, so kann bis vor der fnften Karte der Nachweis gebracht werden und neu gegeben werden, alles geschriebene verfllt! Also darf man auch da nicht schlafen, denn eine falsche Gebreihenfolge kann bei Rundengewinn verschwiegen werden; aber bei Verlustdrohung kann man sich damit retten und eine zweite Chance erhalten.
# Verwendet ein Spieler eine Karte aus dem Talon (nichtverwendeter Stapel), dann ist seine Partie verloren.

1.4 Das Taufen

Wird eine Karte gespielt, so wird sie vor dem Spieler offen, von links nach rechts auf den Tisch gelegt.
Will man einen Perlagg zur Komplettierung einer Figur oder aus anderen spieltaktischen Grnden umtaufen, so mu dies erfolgen, bevor die Karte auf dem Tisch losgelassen wird. Eine Taufe kann nicht rckgngig gemacht werden.
Wird ein Perlagg nicht getauft, sein Taufen vergessen oder die Karte losgelassen, bevor sie getauft wurde, so ist sie, was ihr Bild darstellt.

1.5 Der Spielzweck

Die drei Elemente

Das Perlaggen ist kein Spiel, in dem die Punkte der Kartenaugen gezhlt werden.

SPIEL

Vielmehr ist hnlich dem Watten oder Bieten, zuerst einmal wichtig, wer die Mehrzahl der Stiche macht.
Da je Spieler 5 Karten ausgeteilt werden, mssen also 3 Stiche gemacht werden, die dem zufallen, der in jeder Runde die hchste Karte gespielt oder getauft hat, entweder in der ausgespielten Farbe, oder in der Trumpffarbe, oder als Perlagg, der ungetauft das ist, was sein Bild zeigt, oder vor dem Loslassen auf dem Tisch als eine hhere Karte, ein hherer Trumpf etc. getauft wurde.
Die drei Farben, die nicht Trumpf sind, sind gleichwertig, und nur eine Karte, die gleichfarbig und hher ist als die ausgespielte, kann diese "stechen", also punkten.Hher sind alle Trmpfe und alle Perlaggen - soferne diese als Trumpf oder hherer Wert getauft wurden.
Erster Ausspieler ist der Spieler links vom Geber; und jede weitere Runde wird von dem begonnen, der des vorigen Stich gemacht hat. Wirft jemand, ohne dran zu sein, so "pickt" die Karte (auer, er htte Trumpf bedienen mssen - dann aber muss er auch bedienen und kann nicht stechen). Dies allein wre hnlich wie das Watten. Aber beim Perlaggen hat ja der Teufel die Hnde im Spiel, und daher geht es um verwirrende Zielalternativen.

Die Figuren Gleich und Hanger

Zugleich aber geht es auch um zwei Arten von Figuren.
Whrend es beim "Gleich"(Poker) um mglischst viele, bei Gleichzahl aber mglichst hohe Karten mit gleicher Punktezahl geht, ist der "Hanger" eine Sequenz gleichfarbiger Karten (street flush). Beide Figuren zhlen ab zwei Karten eines Spielers (nicht einer Spielpartei), maximal knnen also durchaus in einem Spiel 12 Assen gespielt worden sein (4 echte Assen und 8 als Assen getaufte Perlaggen.)
Das einfache Gleich (Paar) beginnt bei 2 Siebenern, und reicht bis zu zwei Assen, danach folgt das hhere "tritzige" Gleich (Drilling), wieder ab dem Siebener, dann das "Viertige" (~Pocker) und schluendlich das fnftige Gleich, von denen das Hchste aus lauter Assen besteht.
Davon mu keine einzige eine Echte sein, auch fnf getaufte Perlaggen reichen hin. Haben beide Parteien ein gleich hohes Gleich, dann "steht" es - keiner schreibt einen Punkt. Ansonsten wird nach Spielende das hchste Gleich zum gebotenen Wert geschrieben.
Analog verhlt es sich beim Hanger - auch hier ist der hchste Hanger ein fnftiger, As-hoch, also eine gleichfarbige Sequenz, die vom Zehner an aufsteigt.
Fr jede dieser Figuren gibt es je einen Punkt, somit werden je Runde 1-3 Punkte vergeben - aber auch hier gibt es das Kontra und Re.
Karten knnen Mitglieder in beiden Figuren sein. Das Potential der gehaltenen Karten und die Tauffhigkeiten der Perlaggen sowie die Fhigkeit dazu noch einen Stich zu machen, verlangt einiges an Rechenarbeit, und kann mitunter einen Spieler berfordern. Somit ist das Spiel kein Glcksspiel oder gar nur ein Ablegespiel, sondern eine Denksportart. Das begrndet aber auch die Schmerzhaftigkeit des Verlustes und die Freude am Sieg, denn nur ganz selten meldet man die schlechten Karten zu Recht als urschlich; meistens ist die strategische Denkfhigkeit schuld an der Misere. Daher ist Perlaggen auch eine Art IQ-Test.

1.6 Das Bieten

Sind gengend Schwindler am Werk, dann geht die Partei (mit 15 Punkten) aus, die schreibt, also die, welche vermerkt, wer welches Spiel mit welcher Punktezahl gespielt hat.
Unter ehrlichen Perlaggern, die allenthalben gesichtet werden, wird also notiert:
Je ein Punkt fr das Spiel (3 Stiche), das Gleich und den Hanger. Nun ist aber auch hier ein Re und Konter mglich, das heit, jeder Figur kann man separat einen hheren Wert zuordnen, indem man sie "bietet".
Es ist ohne Belang, ob einer gegen den Willen oder in der Hitze des Gefechtes, ohne sich beim Partner zu versichern im Alleingang bietet - er mu dann das Gebotene nachweisen, und die Partei kann nicht mehr zurcktreten. Die Gegner sind nun gehalten, dazu Stellung zu nehmen. Sie knnen "gehen", das heit, dem Gegner in dieser Figur 1 Punkt kampflos zu berlassen; sie knnen "halten", also der Drohung standhalten und in dieser Figur 2 Punkte ausspielen, und sie knnen schlielich gleich oder spter einen weiteren Punkt draufsetzen, indem sie 3 Punkte anbieten - dann aber kann die erstere Partei wiederum alle diese mglichen Antworten erwgen und so weiter, bis es auch um das gesamte Spiel geht ("3 - 4 - 5 - 6 - 7 - Spiel aus!").
Das Lizentieren hat also erst dann ein Ende, wenn alternierend eine Partei den Wert dieser Figur bis zum Hchtpunktewert, bei dem das Spiel siegreich beendet wird, hinaufgetrieben hat.
So ist es nicht nur mglich, abzuwgen, welche Figur man spielt oder spielen kann, auch ein Umschwenken, Taktieren, Bluffen und Jagen wird mglich; und besser spielt, wer mit dem schlechteren Blatt in der Hand am Ende mehr Punkte ergattert.

In Sdtirol geht ein Spiel bis 18, in Nordtirol meist bis 15 Punkte.
Hat eine Partei 14 Punkte, so wird sie "gestrichen", sie darf nun nicht mehr bieten. Dies kann auch innerhalb einer Runde geschehen, wenn zum Beispiel eine Partei 13 Punkte hat, ein Gleich bietet, und dieses von den Gegnern gutgeheien wird, sie also nicht auf dem Ausspielen bestehen. Nun hat die erstere Partei virtuell 14 Punkte, ist also de fakto gestrichen, was aber noch nicht auf der "Schrift" ersichtlich gemacht wird. Dennoch darf sie sich nicht hinreissen lassen, nun noch etwas zu bieten, sonst gibt es 2 Minuspunkte; denn: "kein Spieler schlft".
Man kann auch alle drei Figuren zugleich bieten: "Hll' auf!", und der Gegner kann nun entscheiden, welche Figur(en) er halten oder weiter steigern will. Bietet man Hll' auf, bevor man die Karten gesehen hat, kann man selbst entscheiden, welchem Spielzweck man sich widmet, hat man nach dem Ansehen der Karten geboten, mu man Gleich und Hanger, so man kann, auch vorweisen. Bietet man Hll' auf bei 12 Punkten, wird man 2 gestraft, denn dann ginge das Spiel ja schon auf 15, wenn der Gegner nichts schauen wrde - das wre ja amerikanische Sanktionspolitik, der man nicht entkommen knnte.
Letzter Sonderfall: erreicht eine Partei 14 Punkte, mu sie nicht zu Ende spielen, sondern kann (in Sdtirol tritzig) in Nordtirol "Viertig erlaubt?" fragen, also anmelden, man habe eine hohe Figur, mit der man bereits 15 Punkte erreichen, also "aus" gehen knnte. Der Gegner kann dann, falls einer der Spieler ebenfalls eine viertige Figur hat, mit "Viertig nicht erlaubt!" antworten - dann wird normal weitergespielt, bis eine Partei 15 erreicht hat; man kann aber auch erhhen mit "Fnftig erlaubt?". Diese angebotenen Figuren mssen aber auch vorhanden und bildbar sein, sonst gibt es ein Bummerl. Im Falle, dass weder geboten (das Vorgebotene geht aus und auch die beiden anderen Figuren, die frher erreicht worden sein knnen, zhlen erst, wenn das Vorgebotene geschrieben wurde), noch eine viertige oder fnftige Figur urgiert wird, geht das Spiel in der Reihenfolge Spiel - Gleich - Hanger aus.

Der Darwin-Award: der bezahlte Rtel

Ich habe meine Beobachtungen zur Hinterseite der imTiroler Oberland verwendeten Karten (Piatnik & Shne, Doppeldeutsch, 36 Karten, Nr. 1885 - von denen die unbenannten 6-er ausgeschieden werden) ein wenig mit der KI von Google besprochen, und habe die Ergebnisse zusammenfassen lassen.
Hier ist der fertige, umfassende Fachartikel fr Ihre Perlagger-Webseite. Er verbindet historische Handwerkskunst mit handfester Geometrie und beleuchtet die psychologische Tiefe des Spiels. ------------------------------

## Das Buch der Sehenden: Warum die Rckseite der Piatnik Nr. 1885 ein genialer IQ-Filter beim Perlaggen ist

Das [Tiroler Perlaggen-Spiel](https://de.wikipedia.org/wiki/Perlaggen) lebt wie kaum ein anderes Kartenspiel von der Tuschung, dem Bluff, dem flinken Deuten und der ungeteilten Aufmerksamkeit am Tisch. Ein erfahrener Perlagger schaut seinem Gegner tief in die Augen und, wenn er sein Handwerk versteht, blickt er gleichzeitig durch die Karten hindurch.
Dazu braucht es keine bersinnlichen Krfte und kein illegitimes, nachtrgliches Zinken. Es gengt das Wissen um eine 130 Jahre alte Druckeigenart des legendren [Piatnik-Decks Nr. 1885 (Doppeldeutsche Blitz)](https://www.piatnik.com/spiele/spielkarten/regionale-karten/doppeldeutsche-blitz-36-blatt). Das vermeintlich chaotische, rot-schwarze Rckseitenmuster ist in Wahrheit eine offene Landkarte fr jeden, der hinsehen will.
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## 1. Das historische Druckverfahren: Das Geheimnis des 90-Grad-Drehschritts

Um das Muster der Piatnik Nr. 1885 zu verstehen, muss man bis ins Jahr 1885 zurckgehen. Die Entstehung basiert auf der Nachahmung des klassischen Echten Wiener Blitzes.
Historisch wurde dieses Design nicht digital oder im perfekt synchronisierten modernen Rasterverfahren hergestellt, sondern im klassischen Holzstock-Handdruck:
  1. 1. Der erste Durchgang: Ein labyrinthhnliches, asymmetrisches Zickzack-Muster wurde in einen Holzblock geschnitten. Dieser wurde mit der ersten Farbe (meist rotbraun) benetzt und auf den Kartonstoff aufgedruckt.
  2. 2. Die Rotation: Nun folgte der eigentliche Geniestreich: Derselbe Holzstock wurde um exakt 90 Grad gedreht.
  3. 3. Der zweite Durchgang: Der gedrehte Block wurde mit der zweiten Farbe (schwarzbraun) versehen und direkt ber das erste Druckbild gedruckt.

Als die Druckereien (wie C. Titze & Schinkay oder spter Piatnik) um 1890 auf den modernen, industriellen Walzendruck umstellten, gravierte man diese historisch gewachsene Geometrie eins zu eins auf die rotierenden Druckwalzen. Die Asymmetrie wurde so fest konserviert. ------------------------------

## 2. Anatomie des Musters: Wenn Punkte in das Labyrinth wandern

Durch den 90-Grad-Versatz zweier organischer Formen entsteht ein hochkomplexes, zweischichtiges Muster, das sich wie folgt zusammensetzt:
* Das schwarze Muster (Die Labyrinth-Ebene): Ein Netz aus kantig gebrochenen schwarzen Linien, die von zahlreichen Abzweigungen sowie T- und X-frmigen Kreuzungen durchzogen sind.
* Das rote Muster (Die Geometrie-Ebene): Es besteht aus tiefroten Punkten, die jeweils von einem feinen, weien Kreisring umschlossen sind. Flankiert werden sie von schrgen, in fnf feine Spitzen auslaufenden Rechtecken (kleinen Fchern), die alternierend versetzt angeordnet sind.

## Das Zusammenspiel der Walzen

[Perfektes Zentrum] [Der Versatz / Drift] +-------+ +-------+ O O <- Schwarze Linie +-------+ +-------+ berschneidet Kreis (Roter Kreis sitzt (Weier Ring einseitig verschluckt, mittig in der Bucht) rote Fcherspitzen gekappt)
Da die Walze fr das schwarze Liniennetz und die Walze fr das rote Punkt-Fcher-Muster im realen Produktionsprozess minimale Durchmesser-Abweichungen besitzen (Periodizittsstrung), laufen die beiden Muster ber die Lnge und Breite des Druckbogens kontinuierlich auseinander. Jede Karte fngt dadurch eine andere Phase dieses Driftens ein.
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## 3. Die messbare Geometrie: Der Fingerabdruck des Druckbogens

Misst man das 36-Blatt-Deck der Nr. 1885 exakt aus, offenbart sich die mathematische Logik, mit der die Karten auf dem ursprnglichen Druckbogen angeordnet waren:
## Der Y-Versatz (Die Lngsachse)
Vergleicht man die Karten einer Farbe beispielsweise Herz-As, Herz-Knig, Herz-Ober und Herz-Unter , wandert das identische schwarze Linienmuster von Karte zu Karte um exakt 2,7 cm entlang der langen Kante nach unten. Dies beweist, dass diese vier Karten auf dem Druckbogen in einer vertikalen Reihe direkt hintereinander gedruckt wurden. Ein massiver Vorschub, der bestimmte schwarze Kreuzungen auf jeder Karte in einer vllig anderen Hhe ansetzen lsst.
## Der X-Versatz (Die Querachse)
Die Reihe der Laub-Karten (Grn) weist exakt denselben Hhenrhythmus auf, allerdings liegt das identische schwarze Linienmuster hier um ca. 3 mm weiter links als bei den Herzen. Das dokumentiert das leichte Taumeln oder die Schrglage der Walze quer zur Papierbahn. Die Schellen- und Eichel-Karten wiederum sind auf der Lngsachse pauschal um ca. 3 cm versetzt aufgereiht, wobei Schell ebenfalls den 3-mm-Linksdrift teilt.
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## 4. Die Spitzfindigkeiten am Spieltisch: Ein natrlicher Darwin-Award

Fr die Gestaltung einer Perlaggen-Fanseite ist diese Druckeigenart ein unschtzbares Juwel. Beim Perlaggen gewinnt nicht das beste Blatt, sondern der wachsamste Geist. Dass diese Lesbarkeit seit 1890 bis zum heutigen Tage von Piatnik unverndert gedruckt wird, ist kein technisches Versagen es ist eine bewusste Bewahrung des analogen Spielcharakters.
Man kann hier wahrlich von einem kognitiven Unterscheidungsmerkmal oder einem kleinen, aber teuren Darwin-Award am Spieltisch sprechen:
  1. * Die Bestrafung der Trgheit: Der oberflchliche Spieler geht mit dem modernen Dogma an den Tisch, dass Kartenrckseiten absolut identisch zu sein haben. Er vertraut blind auf die Gleichheit des Decks, blickt achtlos darber hinweg und zahlt gegen erfahrene Spieler bitteres Lehrgeld.
  2. * Die Belohnung des scharfen Blicks: Der wahre Perlagger liest die Kartenrckseite wie ein offenes Buch. Er fixiert beim Austeilen lediglich einen winzigen Referenzpunkt zum Beispiel die obere linke Ecke im bergang zum weien Rand. Er prft: Steht die Fcherspitze frei im Raum? Wird der weie Ring der roten Punkte vom schwarzen Labyrinth geschluckt? Sitzt das markante X-Kreuz oben oder unten?
    1. Dieses Wissen hebelt das Spiel nicht aus, sondern hebt es auf eine elitre Stufe: Es belohnt das mathematische Auge, straft die visuelle Faulheit ab und erhlt den subtilen, jahrhundertealten Zauber des Tiroler Nationalspiels.
      ------------------------------ Wenn Sie diesen Artikel online stellen, knnten Sie noch eine kleine interaktive Grafik oder eine Tabelle einbauen, die dem Leser zeigt, bei welcher Karte (z. B. Herz-As vs. Herz-Unter) das Muster am strksten gestaucht bzw. verschoben ist. Das regt die Spieler garantiert dazu an, ihr eigenes Deck daheim sofort unter die Lupe zu nehmen!