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1933_Hundertjahrfeier.htm

  
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REGELSTREIT
Perlaggen

1933: Hundert Jahre Perlaggen

Die Hundertjahrfeier des Perlagg-spieles.

Der Pfau
Der Gasthof „Pfau“ in der Bindergasse in Bozen,
in dem vor hundert Jahren das Perlaggerspiel aufkam und wo am Christi=Himmelfahrts=Tage die Jubiläumsfeier stattfand.

In der Einleitung zu den Regeln für das Perlagg=Spiel, die der große tirolische Perlagger=Kongreß im Jahre 1890 herunsgab, heißt es: "Die Spitzfindigkeiten und die schwer zu berechnenden Figurenzusammenstellungen dieses Spieles sind in vollkommener Uebereinstimmung mit dem Charakter (Gemütsart) der Bewohner unseres lieben Vaterlandes. Dieses Spiel nimmt nicht nur die ganze Aufmerksamkeit des Spielers in Anspruch, sondern auch das Herz ist mit tätig; es fördert neue Witzworte und heitere Kernfprüche zutage, weshalb es als ein Erholungsspiel im wahren Sinne des Wortes bezeichnet werden muß."

Diese Charakteristik des Spieles bewahrheitete sich auch am Chrifti-Himmelfahrtstage in Bozen, wo unter großer Teilnahme aus Nord= und Südirol die Hundertjahrfeier des Perlagg=Spieles begangen wurde. Das Fest fand an einem historischen Orte statt: im Gafthaus "Pfau" in der Bindergasse, in dem vor hundert Jahren, im Jahre 1833, vier Stammgäste, die zwei Kanzlisten Alois von Perkhammer und Josef Pfanzelter und die zwei Forstbeamten Johann Sager und Ferdinand File das Spiel als eine Abart des damals im Lande stark verbreiteten Gilt=SpieIes erfanden. Durch hundert Jahre wurde nun dieses Spiel im ganzen Lande gepflegt, die Regeln wurden ausgebaut, bis sie schließlich an dem schon erwähnten großen Innsbrucker Perlagger=Kongreß im Jahre 1890 endgültig festgelegt wurden.

Die Feier in Bozen nahm einen Verlauf, von dem alle Teilnehmer restlos befriedigt waren. Der Bozener Ausschuß mit Herrn Alois L a g e d e r sen. an der Spitze und unter besonders eifriger Mitarbeit des Kaufmannes Josef N i e d e r w i e s e r und des Pfauwirts Konrad Kälbl hatten alles sorgfältig vorbereitet. Im Saale des Gasthofes versammelten sich vormittags die Festteilnehmer zu der Jubiläumsfeier, die Alois L a r c h e r und Josef N i e d e r w i e s e r mit Begrüßung und Festansprache einleiteten. Im Mittelpunkt dieser Feier stard der Senior der Perlagger, der 96jährige Johann I n n e r h o f e r, dessen in der "Neuesten Zeitung" veröffentlichter Aufsatz den Anstoß zur Abhaltung des Festes gegeben hat. Die Bozener Festleitung überreichte ihm nicht nur ein goldenes Festabzeichen, sondern auch ein schönes, von Meister Albert S t o l z hergestelltes Diplom. Mit Witz und einer Frische, über die man nur immer wieder staunen konnte, dankte der alte Innerhofer für diese Ehrung und er legte bei dieser Gelegenheit ein mit stürmischem Beifall aufgenommenes echt tirolisches Bekenntnis zum Perlagg=Spiel ab.

die Haudegen

Und als dann nachmittags 88 Südtiroler und 40 Nord=tiroler zum großen Jubiläumsperlaggen antraten, da war der alte Innerhofer wieder einer der eifrigsten beim Spiel. Aber außer ihm nahmen noch zwei von ber "Innerhofer=Dynastie"; teil, sein Sohn, der gegenwärtige Bären=Wirt Kommerzialrat Franz Innerhofer, und sein Enkel Hans, der der Partner seines Großvaters war. Aber noch eines alten unentwegten Perlaggers muß hier gedacht werben, des 80jährigen Chriftl R a u c h aus Mühlau, der mit seinem bekannten Temperament in den Kampf ging und sich, mit dem Vizepräsidenten des Lanbeskulturrates Josef S t e i g e r als Partner, in der Gruppe B als bester Nordtiroler placieren konnte. Von den Boznern bewunderte man vor allem den alten Alois L a g e d e r, der in seiner ruhigen bedächtigen Altbozener Art unerschütterlich standhielt und in der Gruppe A verblieb, wo er den siebenten Platz behauptete.

Wenn auch in den beiden Gruppen die ersten Plätze an Bozener fielen, so konnten die Innsbrucker doch ausgezeichnet abschneiden. Wenn man bedenkt, daß von den 128 Spielern 88 Südtiroler und nur 40 Innsbrucker waren, von den 32 Preisen die Innsbrucker aber 14 und die Südtiroler 18 erhielten, so ersieht man deutlich, wie groß das durchschnittliche Können der Nordtiroler Perlaggergemeinbe ist. Das zeigte sich auch auch beim anschließend an das Preis=Perlaggen durchgeführten Städtekampf zwischen Bozen und Innsbruck bei dem 15 Bozener Paare gegen 15 Innsbrucker Paare spielten. Die Innsbrucker konnten von diesen 15 Spielen zehn, die Bozener fünf gewinnen.

Dieses große Preisperlaggen soll von nun an alljährlich durchgeführt werden. Da der wertvolle Wanderpokal diesmal an den Bozener Fabrikanten Franz K ö l l fiel, wird es im kommenden Jahre abermals in Bozen veranstaltet. Dann also wird es hoffentlich wieder das gleiche frohe und durch nichts getrübte Zusammentreffen geben wie am Himmelfahrtstage dieses Jahres!

Bozner Batzen

Karl Wut


Drei Perlagger-Generationen.

In der Mitte der 96jährige Hans Innerhofer, der in Bozen Gegenstand besondem Ehrungen war; links sein Sohn Kommerzialrat Franz Innerhofer; rechts sein Onkel Hans Innerhofer, der beim großen Jubiläumsperlaggen der Partner seines Großvaters war.


Den Boznern aber sei an dieser Stelle herzlich gedankt für die Aufnahme, die die Nordtiroler Perlagger gefunden haben! Die Stunden, die man mit ihnen verlebte, waren schön und trotz des Eifers und Kampfwillens beim Spiele friedlich und harmonisch- Man hatte das Gefühl, als ob man aus dem alten Perlaggerspruche: "Gottes Wort und Perlaggerstreit dauern fort in Ewigkeit" die Worte vom Perlaggerstreit in diesem Jahr ruhig weglassen konnte. Und wenn es immer so bleibt, wie es an diesem Tage war, werden sie auch für dauernd gestrichen werden können.

Die Gewinner des Preisperlaggens

  • 1.    Gruppe: 1. Köll Franz, Bozen; 2. Pircher Luis, Bozen; 3. Parolini Ernst, Innsbruck; 4. Maier Anton, Innsbruck; 5. Geier Hans, Amras; 6. Plank Sepp, Innsbruck; 7. Lageder Franz senj.; 8. Saltuari Joachim, Bozen; 9. Mesner Hans, Bozen, 10. Senoner Anton, Bozen; 11. Prader Josef, Innsbruck; 12. Fritz Benedikt, Innsbruck; 13. Dr. von Fioresi, Bozen; 14. Ing. Innerebner, Bozen; 15. Padauner Anton, Siebeneich; 16. Huber Johann, Terlan.

  • 2.    Gruppe: 1. Ramoser Johann, Bozen; 2. Balkan Josef, Bozen; 3. Pircher Franz, Seifers; 4. Gerber Alfred, Seifers; 5. Höllrigl Paul, Kaltem; 6. Andergassen Peter, Kaltern; 7, Rauch Christian, Mühlau; 8. Steiger Josef, Mühlau; 9. Atz Franz, Gries; 10. Torgaller Alois, Gries; 11. Leitner Franz, Innsbruck; 12. König Luis, Innsbruck; 13, Schwemmberger Fritz, Innsbruck; 14. Dietrich Heinrich, Innsbruck; 15, Schiffferegger Josef, Innsbruck; 16. Schwarz Josef, Innsbruck.

Städtekampf Innsbruck gegen Bozen.

Innsbrucker Gewinner: Innerhofer Franz und Rauch Michael, Stockhammer E. und Peer Josef, Winkler Karl und Kuen Albert, Margreiter Gustav und Gruber Max, Plattner und Oettl Heinrich, Geier Hans und Plank Sepp, Delkoll und Holzmann, König Luis und Lettner Fritz, Schwemmberger Fritz und Dietrich Luis, Kögl und Mitterer.

Bozner Gewinner: Egger-Hausner Matthias unb Menz, Steger Johann und Molter Peter, Mesner Hans und Senoner Ainton, Tomasi Ludwig und Margreiter Max, Ing. Innerebner und Dr. von Fioresi.


Die Teilnehmer an Jubileums-Perlaggen in Bozen am 25. Mai.

Aufgenommen im Hofe der Lagederschen Weinhandlung.


Zur 100-Jahrfeier des Perlaggens - nach der etablierten, aber von Zingerle abservierten Lesart - erschien in der Nr. 82 der "Neueste Zeitung" am Samstag, dem 8. April 1933 auf Seite 12 der folgende Artikel:

Hundert Jahre Perlaggerspiel.

Von Hans Innerhofer sen.

Der „alte Bärenwirt“ von Innsbruck, der jetzt 95-jährige Hans Innerhofer, hat für unser Blatt folgende Zeilen über das Perlaggerspiel, das gerade heuer sein hundertjähriges Jubiläum feiert, niedergeschrieben. Die vielen Freunde dieses tirolischen Kartenspiels werden sich darüber wohl ebenso freuen, wie die zahlreichen Bekannten des alten rüstigen Innerhofer, der heute noch ebenso eifrig wie ehedem perlaggt.
Amn. d. Schriftleitung.

Das Perlaggerspiel ist hochinteressant und einzigartig; es wird nur in Süd- und Nordtirol gespielt. Die Perlaggerspieler dürfte es interessieren, wenn sie hören, daß es gerade heuer

hundert Jahre her sind, seitdem es erfunden wurde. Dieses Spiel wurde im Jahre 1833 zum ersten Male in Bozen im Gasthaus „Zum Pfau" gespielt. Dort verkehrten täglich vier Stammgäste, die zwei Kanzlisten Alois von Perthammer und Josef Pfanzelter und die zwei Forstbeamten Johann Sager und Ferdinand Gile, letzterer stammte aus Saturn. Wie vermutet wird, leiteten sie das Perlaggen vom sogenannten Geldspiel ab, das ohne Perlaggen gespielt wurde. Die Erfinder erfanden auch den „Perlag", wodurch er seinen Namen erhielt. Das Wort „Perlag" war ein Kraftausdruck im welschtirolischen Dialekt und bedeutete reichhaberisch und gebietersich. Die genannten vier Herren spielten dieses Spiel nur mit drei Perlaggen, und zwar Siebener, Ober und Trumpfkönig. Das Spiel fand großen Anfang und rasche Verbreitung, wurde aber sehr verschiedenartig gespielt; man war mit drei Perlaggen nicht mehr zufrieden und machte noch andere dazu.
Da das Spiel einer einheitlichen Regel bedurfte, erschien im Jahre 1850 ein Büchel mit gedruckten Perlaggerregeln. Wer der verdienstvolle Autor dieses Büchels war, ist unbekannt. In diesen Regeln wurde der Herzkönig als oberster Perlag bestimmt, ihm folgte der Reihe nach der Welly, Trumpfsiebener, Unter und Ober. Daß es bei diesem eigenartigen und komplizierten Spiel häufig zu Streitigkeiten kam, ist sehr begreiflich; daher der Spruch: „Der Perlaggerstreit dauert in Ewigkeit.“
Um den häufigsten Streitigkeiten bei diesem Spiele zu begegnen, bildete sich in Innsbruck ein Komitee unter dem Vorsitz des damaligen Lagerhausverwalters A. Pöll, das beschloß, einen Perlaggertagungskongress einzuberufen, der dann im Gasthause „Zum grauen Bären“ am 19. Mai 1890 tagte. An diesem Kongreß nahmen 120 Delegierte teil; aus Südtirol erschienen vier Herren. Die zu behandelnden Regeln wurden vorher vom Komitee in Vorlage gebracht und wurden jedem Delegierten im Bürstienabzug vorgelegt. Sie wurden von Paragraph zu Paragraph beraten, abgestimmt und zum Beschuß erhoben. Nach dieser Festlegung der Regeln fand am anderen Tag, es war Sonntag, das große Preisperlaggen im Saale des „Adambrau“ statt. Der Einsatz war 3 Gulden. Es beteiligten sich nicht weniger als 316 Spieler am Wettspiel. Die Komiteemitglieder, zu denen auch der Schreiber dieser Zeilen gehörte, verzichteten auf das Mitspiel und übernahmen die Aufsicht. Das Spiel ging auffallend ruhig vor sich, ein Beweis dafür, daß, wenn nach den Regeln gespielt wird, es keinen Streit gibt.
Am Abend fand dann bei den Klängen der damaligen Regimentsmusik die feierliche Preisverteilung statt. Der erste Preis war zehn Dukaten, die ein Amtsdienner von der Tiroler Landschaft, Herr Winkler, erhielt.
Dieser Abend war nicht nur von Perlaggerspielern, sondern auch von anderen Gästen zahlreich besucht und es vergingen die Stunden in angenehmer und fröhlicher Stimmung.
Zum Schlusse möchte ich den Perlaggerspielern zurufen und ans Herz legen: Pflegt dieses interessante Tiroler Spiel und spielt es nach den Spielregeln vom Jahre 1890; dann wird der Streit beim Perlaggen ein Ende haben.

Dieser Bericht ist neben unserer Chronik auch auf den Seiten der Universitätsbibliothek Innsbruck zu finden.
Bitte beachten Sie besonders die Beschreibung Innerhofers der verwendeten Perlaggen, die nicht mit Pöll's Darstellung übereinstimmt.