§ 1.1 Verwendete Karten
Das Kartenset der
≡"Doppeldeutschen Karten"besteht aus den 4 Farben Herz, Schell(en), Laub und Eichel, jeweils vom Sieberner bis zum Zehner, sodann aus Unter, Ober, König und den Assen.
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1979: Piatnik & Söhne
(Doppeldeutsche Karten)
"In vielen deutschsprachigen Gebieten, in Sachsen wie in Schwaben, in Thüringen wie in Bayern oder Tirol spielt man nicht nur in den Dörfern heute
noch mit Karten, die für einen Fremden eigenartig gekennzeichnet sind; sie zeigen diese Symbole: Schellen — eine gelb-rot-grün gefärbte kugelige Schelle (ein Dialektwort für Glöckchen), in der
Form den italienischen Danari ähnlich; Schippen — früher auch Laub oder Grün genannt, ein grünes Blatt, dem französischen Pique ähnlich; Eichel — die stilisierte Frucht der Eiche, ebenfalls
gelb-rot-grün gefärbt; Herz — auch Rot genannt, das rote Herzzeichen, dessen rechte Hälfte mit schwarzen Strichen schattiert ist. Diese Schattierung der rechten Hälften findet man auf den heutigen Spielkarten auch bei den drei anderen Zeichen."
-- Quelle: Claus de Grupp, Spielkarten und ihre Geschichte: Historisches um des Teufels Gebetbuch, Leinfelden 1973, S 39
1979: Piatnik & Söhne lieferten Karten aus, die das Kartenbild zweifach, gespiegelt darstellen.
Die Karten zeichnen sich dadurch aus, dass man sie immer schon erkennen kann, wenn nur eine kleine Ecke aus der "Hand" hervorlugt. Man braucht sie nicht in die aufrechte Lage drehen, und Farbe und Wert sind in den Ecken erkennbar.
| Herz |
 |
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| Schell |
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| Laub |
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| Eichel |
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Dazu kommt der sog. geschriebene Sechser oder Weli, in anderen Spielen auch als Schell Sechser verwendet, womit sich 33 Spielkarten ergeben.
Varianten: Südtirol: einfachdeutsche Karten; Bayern: Schafskopfkarten
¬ Andere Länder, andere Sitten ...
Perlaggen.
(Südtiroler Version)
Wer sich an dieses klassische Tiroler Spiel heranwagen will, sollte tunlichst schon im Bieten und Watten geübt sein - das Perlaggen verbindet Elemente aus beiden Spielen. Gespielt wird zu viert (zwei Parteien) mit dem deutschen Blatt zu 32 Karten. Dazu kommt eine 33-ste Karte, der Weli mit der Funktion eines Jokers. Die Hauptkarten in aufsteigender Rangfolge: Sieben. Acht, Neun. Zehn. Unter. Ober. König und As. Jeder Spieler bekommt fünf Karten (1x2, 1x3 in zwei Durchgängen), der Reststapel wird unbesehen weggelegt.
Das Spiel hat seinen Namen von zwei Gruppen von Karten mit Sonderfunktionen, den Perlaggen
1. wertkonstante Perlaggen sind (in absteigender Rangfolge) der Herzkönig (»Martell«), der Weli, die Schellensieben und
die Eichelsieben. Diese vier Karten können je nach Spielverlauf in beliebige andere Karten »umgetauft« werden, in jedem Spiel allerdings nur einmal.
2. Trumpf- oder Atoutperlaggen sind (in absteigender Rangfolge) die Sieben, der Unter und der Ober in der jeweiligen Trumpffarbe. Die Atout-perlaggen stehen im Rang unter den wert-konstanten Perlaggen.
Die Trumpffarbe wird nach dem Geben festgestellt. Der Geber hebt die oberste Karte des Reststapels ab. Sie bestimmt, welche Farbe Trumpf wird. Deckt er dabei einen Trumpfperlagg auf, muß er ihn gegen eine andere Trumpfkarte austauschen. Falls er keine solche besitzt geht das Tauschrecht auf seinen Partner über. Deckt dagegen der Abheber (Spieler rechts vom Kartengeber) vor dem Geben einen Perlagg auf, darf er ihn behalten und bekommt dafür beim Geben eine Karte weniger.
Beim Perlaggen gibt es die schon beim Bieten (Seile 172) enwähnten Figuren Gleich (bis zu fünf Karten gleicher Werthöhe), Hanger (bis zu fünf Karten einer Farbe in ununterbrochener Wertfolge) und Spiel (drei der fünf möglichen Stiche = Spielgewinn). Gewertet wird jeweils die höchstwertige Figur, und zwar mit je einem Punkt. Figuren ansagen können kontriert werden, und zwar bis zum Siebenfachen des Spielwertes oder bis zum Spielaus.
Beim Perlaggen gilt Farbzwang, aber kein Stichzwang. Der Farbzwang gilt nicht für die Perlaggen, solange sie noch nicht umgetauft sind. Die Stiche werden nicht gesammelt und weggelegt, sondern jeder legt die von ihm ausgespielten oder zugegebenen Karten offen vor sich auf den Tisch, von links nach rechts geordnet. Wie beim Watten ist mimische Verständigung der Spielpartner ausdrücklich erlaubt.
Gespielt wird bis zu einer Höchstpunktzahl (z. B. 15). Wer sie überschreitet, bekommt Punktabzüge (z. B. 2 Punkte).
§ 1.2 Kartenwerte
Die
≡"Kartenwerte"
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und zwar:
verwendete Karten
Von den 4 Farben Herz, Schell, Laub und Eichel verwendet man jeweils die Zahlkarten von 7 bis 10 und die Bildkarten vom Unter über Ober und König bis zur Daus, der Doppel-Ass (von lat. as = eine).
Die Motive entstammen Friedrich Schillers Drama von Wilhelm Tell aus dem Jahr 1804 und den vier Jahreszeiten:
- Herz (Rot)
- Herz Unter: Kuoni, der Hirt
-
Ober: Hermann Gessler
-
Daus (auch As genannt): Frühling, eine Blumen pflückende junge Frau
-
Schell(en)
-
Unter: Itell Reding
-
Ober: Stüssi der Flurschütz
-
Daus: Sommer, eine Heu mähende junge Frau mit Sichel
-
Laub (Grün)
-
Unter: Walter Fürst
-
Ober: Ulrich Rudenz
-
Daus: Herbst, zwei Jungen, die Weintrauben verarbeiten
-
Eichel
-
Unter: Rudolf Harras
-
Ober: Wilhelm Tell
-
Daus: Winter, eine alte Frau, die Feuerholz trägt
& last, but not least, der geschriebene WELI, der Schell Sechser.
Anders stellt sich die Sache in der Wikipedia dar:
Wissenswertes über Wilhelm Tell Jasskarten
In Österreich, Ungarn, der Slowakei, Slowenien, Kroatien, Teilen Bosniens und Teilen Tschechiens ist ein Blatt in Verwendung, das dieselben Farben wie das Bayerische Blatt verwendet und mit Persönlichkeiten aus der Wilhelm-Tell-Sage bebildert ist.
Die Tell-Karte entstand zur Zeit der ungarischen Aufstände gegen die Habsburger. Um die Zensur zu umgehen, die die Bebilderung mit Führern des Aufstandes verhindert hätte, griff man auf die Wilhelm-Tell-Sage zurück, die ja auch einen Aufstand gegen die Habsburger zum Gegenstand hat. Friedrich Schillers Schauspiel Wilhelm Tell war 1827 im siebenbürgischen Klausenburg (ungarisch Kolozsvár, rumänisch Cluj-Napoca) aufgeführt worden. In einer englischen Privatsammlung entdeckte man 1974 die ältesten dieser Karten, auf denen auch die Daten gefunden wurden: "Zu finden bei Joseph Schneider in Pesth." In Österreich ist dieses Blatt als doppeldeutsch bekannt. Interessanterweise ist trotz der Bebilderung mit Persönlichkeiten aus der Schweizer Geschichte dieses Blatt in der Schweiz nahezu unbekannt.
Unter, Ober und Daus jeder Farbe zeigen jeweils eine bestimmte Person (Unter, Ober) aus Friedrich Schillers Tell-Drama oder eine Jahreszeit (Daus). Diese sind:
Herz
Unter: Werner Stauffacher oder Kuoni, der Hirte
Ober: Hermann Gessler
Daus: Frühling, eine Blumen pflückende junge Frau
Schellen
Unter: Arnold von Melchtal oder Itel Reding
Ober: Stüssi, der Flurschütz
Daus: Sommer, eine Heu mähende junge Frau mit Sichel
Grün
Unter: Walter Fürst
Ober: Ulrich von Rudenz
Daus: Herbst, zwei Jungen, die Weintrauben verarbeiten
Eichel
Unter: Rudolf Harras
Ober: Wilhelm Tell
Daus: Winter, eine alte Frau, die Feuerholz trägt
(Quelle: Wikipedia)
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folgen der üblichen
Reihenfolge:
7-8-9-10-Unter-Ober-König-As.
Als Besonderheit kommen aber einigen Karten ständig oder je nach Spiel besondere Werte zu:
- eine der Farben Herz, Laub und Schell kann zur Trumpffarbe bestimmt werden
, und
- einige Karten sind ständig Trumpf (ständige Perlaggen),
die sich mit den jeweiligen Trumpfperlaggen die
zusätzlichen
Fähigkeit teilen,
zu jeder beliebigen anderen Karte getauft
werden zu
können.
Es sind dies, in der Stichreihenfolge von unten nach oben:
Eichel Ober, Eichel Unter, Eichel 7
Trumpf Ober, Trumpf Unter, Trumpf 7 (Spitz, kleiner Weli)
Weli, Herz König.
Damit hat jedes Spiel 8 Perlaggen, davon 5 "ständige" und 3 in der jeweilig
aufgeschlagenen Trumpffarbe.
Von den Trumpfkarten bleiben dann noch 8, 9, 10, König (außer Herz) und As übrig, also sind 12 bis 13 der 33 Karten Trümpfe.
Die Perlaggen stechen sämtliche Trümpfe und normalen Karten, und selbst in der getauften Form bleibt ihre Rangfolge erhalten: ist zum Beispiel Herz Trumpf, so können durchaus 9 Herz- Assen im Spiel sein, die höchste aber
ist der getaufte Herz König, der
≡Martl, der als Trumpf As alle Übrigen, sofern er gleich hoch oder höher als diese getauft wird, sticht,
[ ]
Der Martl
heißt nach Martell. Wikipedia lehrt uns:"The Battle of Tours,[6] also called the Battle of Poitiers and the Battle of the Highway of the Martyrs was fought on 10 October 732, and was an important battle during the Umayyad invasion of Gaul. It resulted in victory for the Frankish and Aquitanian forces, led by Charles Martell, over the invading Umayyad forces, led by Abd al-Rahman al-Ghafiqi, governor of al-Andalus. Many historians, including Edward Gibbon, have credited the Christian victory as an important factor in curtailing the spread of Islam in Western Europe." [https://en.wikipedia.org/wiki/Battle_of_Tours]
siehe Youtube
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(der höchste Perlagg); es folgt der Weli, dann die anderen Perlaggen oder Arkana (der eingedeutschten Mehrzahl vom lateinischen „arcanum" = Geheimnis des Tarock). Es ist überaus schwierig in einer Spielsituation in der potentiellen Vieldeutigkeit die richtige Verwendung einer solchen Karte festzulegen - als Stecher, als Trumpf, oder als Teil eines bestimmten Bildes - dazu jedoch
später.
Varianten: Südtirol: jede Farbe kann Trumpf werden, ständige Perlaggen sind
Eichel 7 (der Spitz), Schell 7, Weli, Herz König.
Das bedeutet aber, dass es mit den Trumpfperlaggen in den Farben Herz, Eichel
und Schell 6 und bei Laub 7 wandelfähige Karten gibt.
§ 1.3 Geben
Egal, ob 2,3 oder 4 Spieler spielen, wird durch Abheben des Stapels bestimmt wer gibt (der, welcher die ranghöchste Karte abgehoben hat). Danach wird der Stapel gemischt, und dem zur Rechten des Gebers sitzenden Person zum Abheben gereicht. Kommt dabei einer der ständigen Perlaggen zum Vorschein, nimmt ihn der Abheber, und kann auch die jeweils folgende Karte nehmen, falls wieder ein ständiger Perlagg' kommt und erhält in der Folge nur noch so viele Karten, dass er auf 5 Stück kommt.
Gegeben werden dann im Uhrzeigersinn in der ersten Runde 2 und in der zweiten 3 Karten.
Nach diesen 10 (bei 2 Spielern), 15 (bei 3 Spielern, wo jeder für sich alleine spielt) oder 20 Karten ( = 2 Mannschaften) wird die nächstkommende, die kein Eichel sein darf -
≡ Eichel ist nie Trumpf
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Tauschen
So kann es sein, dass der Geber Eichel 7, 8, 9, 10, Unter, Ober, König und/oder As und erst dann eine Trumpffarbe aufdeckt und somit der Geber samt Partner sich bis zu 3 Eichelperlaggen und den Trumpfperlagg holen kann.
Wichtig:
1. Fällt beim Abheben eine Karte herunter ("trettlt") oder werden beim Holen des abgehobenen Perlagg's mehr als eine Karte sichtbar, darf nichts geholt werden!
2. Es muss immer zuerst der Farbperlagg' und dann erst der Eichelperlagg geholt werden!
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- umgedreht und ist Trumpf. Sodann muß allen anderen in der Innsbrucker Variante auch der Boden des Reststapels gezeigt werden (Luck und Boden); im Oberland bleibt diese Karte unbekannt.
Ist diese Karte ein Perlagg', so kann er vom Geber mit gleicher Farbe ausgetauscht werden oder mit einem Eichelperlagg' "besser gemacht" werden. Falls der Geber nicht alle liegenden Perlaggen holen kann, ist sein Partner dran, dann kommen die Gegner reihum dran.
Wird vom Geber eine Karte mit dem Bild nach oben ausgeteilt, oder gibt er einem Spieler nicht 2 + 3 Karten, so wird neu gegeben, allerdings kann ein glücklicher Abheber seine(n) Perlagg´)en) behalten und neuerlich abheben.
Und dann waren da noch folgende Bestimmungen:
# In der harten Variante bei Turnieren wird "vergeben" (4 oder 6 Karten ausgeteilt oder ein Bild zu sehen) zusätzlich mit 2 Strafpunkten bedacht.
# Stellt sich allerdings heraus, dass ein Spieler mit zuviel Karten gespielt hat, ohne dies unverzüglich zu melden, so verliert seine Partei alle erreichten Punkte der Runde und wird zusätzlich 2 Punkte gestraft.
# Es kann durchaus vorkommen, dass Perlaggen liegen bleiben. Dann bleibt allen der Trost, dass zumindest der Gegner diese nicht hat, was die Berechnung der Spielchancen erleichtert.
# Wird beim Austauschen aber ein Fehler gemacht (dem Partner ein Perlagg´ überlassen), dann heißt die Strafe Partieverlust!
# Die jewils nächste Spielrunde gibt der zur Linken des vorherigen Gebers sitzende Gegner.
# Kann man auch mit der Schrift nicht nachweisen, wer an der Reihe ist, dann wird der momentane Geber beibehalten. Wird jedoch nachweislich fallsch gegeben, so kann bis vor der fünften Karte der Nachweis gebracht werden und neu gegeben werden, alles geschriebene verfällt! Also darf man auch da nicht schlafen, denn eine falsche Gebreihenfolge kann bei Rundengewinn verschwiegen werden; aber bei Verlustdrohung kann man sich damit retten und eine zweite Chance erhalten.
# Verwendet ein Spieler eine Karte aus dem Talon (nichtverwendeter Stapel), dann ist seine Partie verloren.
§ 1.4 Das Taufen
Wird eine Karte gespielt, so wird sie vor dem Spieler offen, von links nach rechts auf den
Tisch gelegt.
Will man einen Perlagg´ zur Komplettierung einer Figur oder aus anderen spieltaktischen Gründen umtaufen, so muß dies erfolgen, bevor die Karte auf dem Tisch losgelassen wird. Eine Taufe kann nicht rückgängig gemacht werden.
Wird ein Perlagg´ nicht getauft, sein Taufen vergessen oder die Karte losgelassen, bevor sie getauft wurde, so ist sie, was ihr Bild darstellt.
§ 1.5 Der Spielzweck
Die drei Elemente
Das Perlaggen ist kein Spiel, in dem die Punkte der Kartenaugen gezählt werden.
SPIEL
Vielmehr ist ähnlich dem Watten oder Bieten, zuerst einmal wichtig, wer die Mehrzahl der Stiche macht.
Da je Spieler 5 Karten ausgeteilt werden, müssen also 3 Stiche gemacht werden, die dem zufallen, der in jeder Runde die höchste Karte gespielt oder getauft hat, entweder in der ausgespielten Farbe, oder in der Trumpffarbe, oder als Perlagg, der ungetauft das ist, was sein Bild zeigt, oder vor dem Loslassen auf dem Tisch als eine höhere Karte, ein höherer Trumpf etc. getauft wurde.
Die drei Farben, die nicht Trumpf sind, sind gleichwertig, und nur eine Karte, die gleichfarbig und höher ist als die ausgespielte, kann diese "stechen", also punkten.Höher sind alle Trümpfe und alle Perlaggen - soferne diese als Trumpf oder höherer Wert getauft wurden.
Erster Ausspieler ist der Spieler links vom Geber; und jede weitere Runde wird von dem begonnen, der des vorigen Stich gemacht hat. Wirft jemand, ohne dran zu sein, so "pickt" die Karte (außer, er hätte Trumpf bedienen müssen - dann aber muss er auch bedienen und kann nicht stechen).
Dies allein wäre ähnlich wie das Watten. Aber beim Perlaggen hat ja der Teufel die Hände im Spiel, und daher geht es um verwirrende Zielalternativen.
Die Figuren Gleich und Hanger
Zugleich aber geht es auch um zwei Arten von Figuren.
Während es beim "Gleich"(Poker) um möglischst viele, bei Gleichzahl aber möglichst hohe Karten mit gleicher Punktezahl geht, ist der "Hanger" eine Sequenz gleichfarbiger Karten (street flush). Beide Figuren zählen ab zwei Karten eines Spielers (nicht einer Spielpartei), maximal können also durchaus in einem Spiel 12 Assen gespielt worden sein (4 echte Assen und 8 als Assen getaufte Perlaggen.)
Das einfache Gleich (Paar) beginnt bei 2 Siebenern, und reicht bis zu zwei Assen, danach folgt das höhere "tritzige" Gleich (Drilling), wieder ab dem Siebener, dann das "Viertige" (~Pocker) und schlußendlich das fünftige Gleich, von denen das Höchste aus lauter Assen besteht.
Davon muß keine einzige eine Echte sein, auch fünf getaufte Perlaggen reichen hin. Haben beide Parteien ein gleich hohes Gleich, dann "steht" es - keiner schreibt einen Punkt. Ansonsten wird nach Spielende das höchste Gleich zum gebotenen Wert geschrieben.
Analog verhält es sich beim Hanger - auch hier ist der höchste Hanger ein fünftiger, As-hoch, also eine gleichfarbige Sequenz, die vom Zehner an aufsteigt.
Für jede dieser Figuren gibt es je einen Punkt, somit werden je Runde 1-3 Punkte vergeben - aber auch hier gibt es das Kontra und Re.
Karten können Mitglieder in beiden Figuren sein. Das Potential der gehaltenen Karten und die Tauffähigkeiten der Perlaggen sowie die Fähigkeit dazu noch einen Stich zu machen, verlangt einiges an Rechenarbeit, und kann mitunter einen Spieler überfordern. Somit ist das Spiel kein Glücksspiel oder gar nur ein Ablegespiel, sondern eine Denksportart. Das begründet aber auch die Schmerzhaftigkeit des Verlustes und die Freude am Sieg, denn nur ganz selten meldet man die schlechten Karten zu Recht als ursächlich; meistens ist die strategische Denkfähigkeit schuld an der Misere. Daher ist Perlaggen auch eine Art IQ-Test.
§ 1.6 Das Bieten
Sind genügend Schwindler am Werk, dann geht die Partei (mit 15 Punkten) aus, die schreibt, also die, welche vermerkt, wer welches Spiel mit welcher Punktezahl gespielt hat.
Unter ehrlichen Perlaggern, die allenthalben gesichtet werden, wird also notiert:
Je ein Punkt für das Spiel (3 Stiche), das Gleich und den Hanger.
Nun ist aber auch hier ein Re und Konter möglich, das heißt, jeder Figur kann man separat einen höheren Wert zuordnen, indem man sie "bietet".
Es ist ohne Belang, ob einer gegen den Willen oder in der Hitze des Gefechtes, ohne sich beim Partner zu versichern im Alleingang bietet - er muß dann das Gebotene nachweisen, und die Partei kann nicht mehr zurücktreten. Die Gegner
sind nun gehalten, dazu Stellung zu nehmen. Sie können "gehen", das heißt, dem Gegner in dieser Figur 1 Punkt kampflos zu überlassen; sie können "halten", also der Drohung standhalten und in dieser Figur 2 Punkte ausspielen, und sie können schließlich gleich oder später einen weiteren Punkt draufsetzen, indem sie 3 Punkte anbieten - dann aber kann die erstere Partei wiederum alle diese möglichen Antworten erwägen und so weiter, bis es auch um das gesamte Spiel geht ("3 - 4 - 5 - 6 - 7 - Spiel aus!").
Das Lizentieren hat also erst dann ein Ende, wenn alternierend eine Partei den Wert dieser Figur bis zum Höchtpunktewert, bei dem das Spiel siegreich beendet wird, hinaufgetrieben hat.
So ist es nicht nur möglich, abzuwägen, welche Figur man spielt oder spielen kann, auch ein Umschwenken, Taktieren, Bluffen und Jagen wird möglich; und besser spielt, wer mit dem schlechteren Blatt in der Hand am Ende mehr Punkte ergattert.
In Südtirol geht ein Spiel bis 18, in Nordtirol meist bis 15 Punkte.
Hat eine Partei 14 Punkte, so wird sie "gestrichen", sie darf nun nicht mehr bieten. Dies kann auch innerhalb einer Runde geschehen, wenn zum Beispiel eine Partei 13 Punkte hat, ein Gleich bietet, und dieses von den Gegnern gutgeheißen wird, sie also nicht auf dem Ausspielen bestehen. Nun hat die erstere Partei virtuell 14 Punkte, ist also de fakto gestrichen, was aber noch nicht auf der "Schrift" ersichtlich gemacht wird. Dennoch darf sie sich nicht hinreissen lassen, nun noch etwas zu bieten, sonst gibt es 2 Minuspunkte; denn: "kein Spieler schläft".
Man kann auch alle drei Figuren zugleich bieten: "Höll' auf!", und der Gegner kann nun entscheiden, welche Figur(en) er halten oder weiter steigern will. Bietet man Höll' auf, bevor man die Karten gesehen hat, kann man selbst entscheiden, welchem Spielzweck man sich widmet, hat man nach dem Ansehen der Karten geboten, muß man Gleich und Hanger, so man kann, auch vorweisen. Bietet man Höll' auf bei 12 Punkten, wird man 2 gestraft, denn dann ginge das Spiel ja schon auf 15, wenn der Gegner nichts schauen würde - das wäre ja amerikanische Sanktionspolitik, der man nicht entkommen könnte.
Letzter Sonderfall: erreicht eine Partei 14 Punkte, muß sie nicht zu Ende spielen, sondern kann (in Südtirol tritzig) in Nordtirol "Viertig erlaubt?" fragen, also anmelden, man habe eine hohe Figur, mit der man bereits 15 Punkte erreichen, also "aus" gehen könnte. Der Gegner kann dann, falls einer der Spieler ebenfalls eine viertige Figur hat, mit "Viertig nicht erlaubt!" antworten - dann wird normal weitergespielt, bis eine Partei 15 erreicht hat; man kann aber auch erhöhen mit "Fünftig erlaubt?". Diese angebotenen Figuren müssen aber auch vorhanden und bildbar sein, sonst gibt es ein Bummerl. Im Falle, dass weder geboten (das Vorgebotene geht aus und auch die beiden anderen Figuren, die früher erreicht worden sein können, zählen erst, wenn das Vorgebotene geschrieben wurde), noch eine viertige oder fünftige Figur urgiert wird, geht das Spiel in der Reihenfolge Spiel - Gleich - Hanger aus.
Der Darwin-Award: der bezahlte Rötel
Ich habe meine Beobachtungen zur Hinterseite der imTiroler Oberland verwendeten Karten (Piatnik & Söhne, Doppeldeutsch, 36 Karten, Nr. 1885 - von denen die unbenannten 6-er ausgeschieden werden)
ein wenig mit der KI von Google besprochen, und habe die Ergebnisse zusammenfassen lassen.
Hier ist der fertige, umfassende Fachartikel für Ihre Perlagger-Webseite. Er verbindet historische Handwerkskunst mit handfester Geometrie und beleuchtet die psychologische Tiefe des Spiels.
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## Das Buch der Sehenden: Warum die Rückseite der Piatnik Nr. 1885 ein genialer „IQ-Filter“ beim Perlaggen ist
Das [Tiroler Perlaggen-Spiel](https://de.wikipedia.org/wiki/Perlaggen) lebt wie kaum ein anderes Kartenspiel von der Täuschung, dem Bluff, dem flinken Deuten und der ungeteilten Aufmerksamkeit am Tisch. Ein erfahrener Perlagger schaut seinem Gegner tief in die Augen – und, wenn er sein Handwerk versteht, blickt er gleichzeitig durch die Karten hindurch.
Dazu braucht es keine übersinnlichen Kräfte und kein illegitimes, nachträgliches „Zinken“. Es genügt das Wissen um eine 130 Jahre alte Druckeigenart des legendären [Piatnik-Decks Nr. 1885 (Doppeldeutsche Blitz)](https://www.piatnik.com/spiele/spielkarten/regionale-karten/doppeldeutsche-blitz-36-blatt). Das vermeintlich chaotische, rot-schwarze Rückseitenmuster ist in Wahrheit eine offene Landkarte für jeden, der hinsehen will.
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## 1. Das historische Druckverfahren: Das Geheimnis des 90-Grad-Drehschritts
Um das Muster der Piatnik Nr. 1885 zu verstehen, muss man bis ins Jahr 1885 zurückgehen. Die Entstehung basiert auf der Nachahmung des klassischen „Echten Wiener Blitzes“.
Historisch wurde dieses Design nicht digital oder im perfekt synchronisierten modernen Rasterverfahren hergestellt, sondern im klassischen Holzstock-Handdruck:
-
1. Der erste Durchgang: Ein labyrinthähnliches, asymmetrisches Zickzack-Muster wurde in einen Holzblock geschnitten. Dieser wurde mit der ersten Farbe (meist rotbraun) benetzt und auf den Kartonstoff aufgedruckt.
- 2. Die Rotation: Nun folgte der eigentliche Geniestreich: Derselbe Holzstock wurde um exakt 90 Grad gedreht.
- 3. Der zweite Durchgang: Der gedrehte Block wurde mit der zweiten Farbe (schwarzbraun) versehen und direkt über das erste Druckbild gedruckt.
Als die Druckereien (wie C. Titze & Schinkay oder später Piatnik) um 1890 auf den modernen, industriellen Walzendruck umstellten, gravierte man diese historisch gewachsene Geometrie eins zu eins auf die rotierenden Druckwalzen. Die Asymmetrie wurde so fest konserviert.
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## 2. Anatomie des Musters: Wenn Punkte in das Labyrinth wandern
Durch den 90-Grad-Versatz zweier organischer Formen entsteht ein hochkomplexes, zweischichtiges Muster, das sich wie folgt zusammensetzt:
* Das schwarze Muster (Die Labyrinth-Ebene): Ein Netz aus kantig gebrochenen schwarzen Linien, die von zahlreichen Abzweigungen sowie T- und X-förmigen Kreuzungen durchzogen sind.
* Das rote Muster (Die Geometrie-Ebene): Es besteht aus tiefroten Punkten, die jeweils von einem feinen, weißen Kreisring umschlossen sind. Flankiert werden sie von schrägen, in fünf feine Spitzen auslaufenden Rechtecken (kleinen „Fächern“), die alternierend versetzt angeordnet sind.
## Das Zusammenspiel der Walzen
[Perfektes Zentrum] [Der Versatz / Drift]
+-------+ +-------+
¦ O ¦ ¦ O¦ ¦ <- Schwarze Linie
+-------+ +-------+ überschneidet Kreis
(Roter Kreis sitzt (Weißer Ring einseitig verschluckt,
mittig in der Bucht) rote Fächerspitzen gekappt)
Da die Walze für das schwarze Liniennetz und die Walze für das rote Punkt-Fächer-Muster im realen Produktionsprozess minimale Durchmesser-Abweichungen besitzen (Periodizitätsstörung), laufen die beiden Muster über die Länge und Breite des Druckbogens kontinuierlich auseinander. Jede Karte fängt dadurch eine andere Phase dieses Driftens ein.
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## 3. Die messbare Geometrie: Der Fingerabdruck des Druckbogens
Misst man das 36-Blatt-Deck der Nr. 1885 exakt aus, offenbart sich die mathematische Logik, mit der die Karten auf dem ursprünglichen Druckbogen angeordnet waren:
## Der Y-Versatz (Die Längsachse)
Vergleicht man die Karten einer Farbe – beispielsweise Herz-As, Herz-König, Herz-Ober und Herz-Unter –, wandert das identische schwarze Linienmuster von Karte zu Karte um exakt 2,7 cm entlang der langen Kante nach unten. Dies beweist, dass diese vier Karten auf dem Druckbogen in einer vertikalen Reihe direkt hintereinander gedruckt wurden. Ein massiver Vorschub, der bestimmte schwarze Kreuzungen auf jeder Karte in einer völlig anderen Höhe ansetzen lässt.
## Der X-Versatz (Die Querachse)
Die Reihe der Laub-Karten (Grün) weist exakt denselben Höhenrhythmus auf, allerdings liegt das identische schwarze Linienmuster hier um ca. 3 mm weiter links als bei den Herzen. Das dokumentiert das leichte Taumeln oder die Schräglage der Walze quer zur Papierbahn. Die Schellen- und Eichel-Karten wiederum sind auf der Längsachse pauschal um ca. 3 cm versetzt aufgereiht, wobei Schell ebenfalls den 3-mm-Linksdrift teilt.
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## 4. Die Spitzfindigkeiten am Spieltisch: Ein natürlicher Darwin-Award
Für die Gestaltung einer Perlaggen-Fanseite ist diese Druckeigenart ein unschätzbares Juwel. Beim Perlaggen gewinnt nicht das beste Blatt, sondern der wachsamste Geist. Dass diese „Lesbarkeit“ seit 1890 bis zum heutigen Tage von Piatnik unverändert gedruckt wird, ist kein technisches Versagen – es ist eine bewusste Bewahrung des analogen Spielcharakters.
Man kann hier wahrlich von einem „kognitiven Unterscheidungsmerkmal“ oder einem kleinen, aber teuren „Darwin-Award“ am Spieltisch sprechen:
-
* Die Bestrafung der Trägheit: Der oberflächliche Spieler geht mit dem modernen Dogma an den Tisch, dass „Kartenrückseiten absolut identisch zu sein haben“. Er vertraut blind auf die Gleichheit des Decks, blickt achtlos darüber hinweg und zahlt gegen erfahrene Spieler bitteres Lehrgeld.
- * Die Belohnung des scharfen Blicks: Der wahre Perlagger liest die Kartenrückseite wie ein offenes Buch. Er fixiert beim Austeilen lediglich einen winzigen Referenzpunkt – zum Beispiel die obere linke Ecke im Übergang zum weißen Rand. Er prüft: Steht die Fächerspitze frei im Raum? Wird der weiße Ring der roten Punkte vom schwarzen Labyrinth geschluckt? Sitzt das markante X-Kreuz oben oder unten?
Dieses Wissen hebelt das Spiel nicht aus, sondern hebt es auf eine elitäre Stufe: Es belohnt das mathematische Auge, straft die visuelle Faulheit ab und erhält den subtilen, jahrhundertealten Zauber des Tiroler Nationalspiels.
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Wenn Sie diesen Artikel online stellen, könnten Sie noch eine kleine interaktive Grafik oder eine Tabelle einbauen, die dem Leser zeigt, bei welcher Karte (z. B. Herz-As vs. Herz-Unter) das Muster am stärksten gestaucht bzw. verschoben ist. Das regt die Spieler garantiert dazu an, ihr eigenes Deck daheim sofort unter die Lupe zu nehmen!