PERLAGGERSTREIT
und

Unterschiede in den Regelwerken


Fritz Beck, im Band 659, Reihe P von Pechan's Perlen-Reihe mit dem Titel "Bieten Watten und Perlaggen berichtet ab dem Punkt 7 ber das Ausgehen folgendes:

Wenn man ausgeht ...

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7. Wenn eine der Spielparteien so viele Punkte erreicht hat, da je nachdem nur mehr ein oder zwei, eventuell drei Punkte zum Ausmachen fehlen, so wandelt sich der bislang einheitliche Wert der Figuren. Die Staffelung je nach ihrer Wertgltigkeit ist dann folgende: 1. Gleich, 2. Hanger, 3. Spiel. Das heit also, da ein Gleich vor Hanger und Spiel ausmacht und der Hanger vor dem Spiel den Vorzug erhlt.
Angenommen, die Partie geht auf fnfzehn Punkte und die Partei A hat vierzehn Punkte
Kommentar
Im tiroler Oberland lautet die Reihenfolge: SPIEL - GLEICH - HANGER.

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auf der Tafel, es fehlt ihr zum Ausmachen nur mehr ein Punkt, und die Partei B hat dreizehn Punkte, sie mte mithin zum Ausmachen, zum Auswerden, eine Figur machen, die aber der Gegner halten mte, damit sie im Wert auf zwei Punkte steigt. Dies aber ist der Partei A versagt, da sie die Partie nicht berbieten darf: Wenn einer Partei nur mehr ein Punkt auf die vereinbarte Gewinnzahl fehlt, so schreibt die Regel vor, da nicht mehr geboten werden darf.
berboten ist die Partie immer dann, wenn beim Ausmachen eine Figur gemacht wird, deren Punkthhe die vereinbarte Gewinnzahl bersteigt.Hat die eine Partei vierzehn Punkte und sie macht eine gehaltene Figur mit zwei Punkten, so ergibt dies eine Summe von sech- zehn Punkten. Geht die Partie auf fnfzehn Punkte, so ist sie mithin um einen Punkt ber- boten. [Hervorhebung vom Autor, Gramatik wie im zitierten Werk]
Das berbieten der Partie wird indes mit zwei Strafpunkten geahndet, das heit, von den vierzehn Gutpunkten werden zwei abge- rechnet und die schuldige Partei fllt von vier- zehn auf zwlf Punkte zurck.
Kommentar
So einen Bldsinn kann sich nur jemand ausdenken, der keinerlei Spielerfahrung hat. So eine Regel verstt gegen das Prinzip der Freiheit der Spielentscheidungen und wrde zu einem massiven Ausntzen durch die schwchere Partei fhren.
Es lsst sich auch kein logischer Trick finden, dass man aus dem Verbot des berbietens ein berhalten ableiten knnte: die Partei mit den 14 Punkten bietet ja nicht, sie hlt nur und wrde ansonsten immer automatisch alles verlieren, denn der Gegner knnte der Reihe nach alle Figuren bieten, und die Fhrenden mssten immer gehen.
Fast alle Erklrungen in den neueren Regelwerken sind an den Haaren herbeigezogen, und verkomplizieren das Spiel unntig.

Bietet nun im vorliegenden Fall die Partei B (sie hat dreizehn Punkte) ein Gleich (oder einen Hanger), so kann die andere Partei (mit vier- zehn Punkten) diese Figur nicht halten, weil damit unweigerlich ein Fall des berbietens eintrte, sie mu also schlechterdings die ge- [Seite 123]
botene Figur gut sein lassen. Damit erreicht nun die Partei B gleichfalls vierzehn Punkte, und die Partie steht pari. Bei diesem Stand entscheidet immer das Spiel. Wer also das Spiel mit drei oder mehr Stichen macht, hat dann die Partie gewonnen. Wurde aber das Spiel (statt jeder anderen Figur) bereits geboten und gutgeheien, so mag sich wohl das Weiterspielen erbrigen. Die Karten werden aufgemischt und zum Finis nochmals ausgegeben. Dasselbe wie oben gilt auch fr den Fall, als beide Parteien gleichlautende Figuren, einen Gleich oder einen Hanger, haben. Auch dann fllt die Entscheidung, falls die Partie 14 : 14 steht, durch das Spiel. Wer es macht, hat ge- wonnen. Es drfen aber diesfalls, so wie die Figur, mit der man auszumachen glaubt, geboten wird, die Karten noch nicht aufgedeckt werden, denn dadurch wre ja das Blatt verraten, und der Gegner knnte sich diesen Umstand bei dem nun folgenden Waffengang um das Spiel wohl zunutze machen.
... und so weiter ...
sieht klar danach aus, dass diese Regeln von Leuten stammen, die immer verlieren und mit sophistischen Einwnden ihr schwaches Spiel zum Erfolg fhren wollen.

Zurck zu den Quellen


Wir knnen auf die Hinweise aus den ltesten Berichte eingehen, die uns die ursprngliche Form und die Entwicklung der Perlaggen zeigen. Natrlich soll man nicht versuchen, das Spiel in der ursprnglichen Form wieder zu beleben, denn schlielich haben sich jahrzehntelang die klgsten Spieler Gedanken gemacht, wie man das Spiel interresant und zugleich gerecht, einsichtig, vulgo "logisch" gestalten kann, damit das Spielvergngen optimiert wird.
Etwas, das dann passt, wie Schach und Go, muss man nicht mehr wagemutigen Reformern und minderbemittelten Spielstrategen berlassen, die wie Politiker meinen, wenn man immer wieder etwas Neues erfindet - das Andere dann einhalten mssen-, ist man automatisch kreativ.

Beispiel: der verwunderte Bericht ber ein merkwrdiges Spiel, das man den Tirolern gar nicht zugetraut htte:

Vermischtes.

Die Tiroler haben ein merkwrdiges Bauernspiel welches sonst nirgends vorkommt; es wird mit deutschen Karten zu vier Personen gespielt und Perlagg genannt. Es erfordert so viel Verstand, Berechnung und Kniffe, da man oft staunt wie ein simpel scheinender Mensch soviel Tatent entwickeln knne, um den Gegner zu berwinden. Verschiedene Bltter gelten als hchste Trmpfe aber knnen zu jeder beliebigen Karte des Spieles verwandelt werden und heien Perlagg; sie werden im= mer sehr laut aufgerufen und ausgeschrien. Von diesen ist der vornehmste der Schell= Siebener, gewhnlich Schellbell genannt. Im Winter 1848 auf 1849 konnte man allenthalben beim Perlaggspiel Radetzky" schreien hren. Wenn man sich er= kundigte, wurde der Bescheid gegeben, da die Perlaggspieler ihre Hauptkarte, den Schellbell" nun Radetzky" getauft hatten, weil der alte Feldherr alles auf Knall und Fall gewnne, und noch besser als der Schellbell. Die Absetzung des mchtigen Schellbell fand nach und nach berall statt. So unscheinbar dieser Volkszug ist, so liegt darinnen ein Beweis, wie sehr der Name Radetzky im Tirolerlande in Fleisch und Blut bergegangen ist.

aus: Josef Glggl, Redakteur und Eigentmer, Lemberger allgemeiner Anzeiger, Tagesblatt fr Handel und Gewerbe vom 18.03.1858.
Digitalisat:
https://books.google.at/books?id=Vi10Lj4KCPkC&hl=de&source=gbs_navlinks_s
Gut, dass Radetzky im Tiroler Oberland kein stndiger Perlagg mehr ist.
Besser, dass Deutschen damals schon auffiel, dass auch in den Bergen Hirnschmalz verteilt wurde, obwohl sie doch aum lautesten "Hier" geschrien hatten.
Am Besten aber, dass nichts Genaueres ber die Regeln verlautet wurde.
Falls ein geschtzter Leser keine Fraktur lesen kann, hier der Text in lesbareren Lettern.

(Der groe Perlagger-Landtag), fr den soviel Reklame gemalt wurden, hat also glcklich stattgefunden. Das Ziel, welches er sich gesetzt hat,den Perlaggerstreit zu endigen, wird er freilich kaum erreichen; denn Streit gehrt ja zur Wesenheit dieses Nationalspieles, da es mit dem Aufhren desselben seinen Hauptreiz verlre.

Am Samstag Abends war der Kongre beim grauen Bren" sehr gut, auch von auswrtz besucht; es wurde auf das Eifrigste debattirt. Die gedruckte Vorlage erfuhr mehrfache Abnderungenen; jedoch blieb es bei sieben Perlaggen und diese Entscheidung wird das Perlaggervolk von Sd- und Nordtirol in zwei Heerlager theilen. Das gestrige Preisperlaggen verlief glnzend...

aus: "Tiroler Stimmen", Mai 1890

 

1890 war also noch vor der Einigung um die Perlaggenzahl bei den Innsbrucker Regeln. Die Sdtiroler spielten mit 4 Perlaggen: Martell, Weli, Schellspitz und Eichelspitz, in Innsbruck waren schon die Trumpfperlaggen mit dabei.

(Der groe Perlagger-Landtag), fr den soviel Reklame gemacht wurden, hat also glcklich stattgefunden. Das Ziel, welches er sich gesetzt hat, den Perlaggerstreit zu endigen, wird er freilich kaum erreichen; denn Streit gehrt so zur Wesenheit dieses Nationalspieles, da es mit dem Aufhren sesfelben feinen Hauptreiz verlre. Am Samstag Abends war der Kongre beim grauen Bren" fehr gut, auch von auswrts befucht; es wurde auf das Eifrigste debattirt. Die gedruckte Vorlage erfuhr mehrfache Abnderungen; jedoch blieb es bei sieben Perlaggen unb diese Entscheidung wird die Perlaggvlker von Sd- und Norbtirol in zwei Heerlager theilen. Das gestrige Preisperaggen verlief glnzend. Das Arrangement erntete allgemeine Bewunderung. Dem Komite an dessen Spitze der Herr Lagerhausverwalter Kll stand, gebhrt allgemeine Anerkennung. Es beteiligten sich 336 Spieler und zwar in Blocks zu je 32, also 10 Block. Es wurde eifrigst gespielt und nicht einmal viel gestritten. Unter den eifrigen Spielern war auch der Herr Bezirkshauptmann Hoflacher. Die ersten vier Hauptbeste mit je 7 Punkten gewannen: Josef Schober, landwirtschaftlicher Amtsdiener, Sue jun. von Htting; Vinatzer, Wachtmeister der Gendarmerie; Sparber von Kufstein. Das fnfte Best gewann Waresin, Gastwirth in Mhlau.

[aus: "Tiroler Stimmen", 1890]
Der Ruf des Perlaggens ging weit ber die Grenzen Tirols, ja der deutschen Sprache hinaus.

Das Tiroler Nationalspiel
¬ https://wikimili.com/en/Perlaggen
Frage an GROK Ich hatte auch schon das Werk Schwaighofers aus 1926 in Arbeit, aber es gibt scheinbar auch eine Erwhnung im Tiroler Idiotikon von Zingerle - da geht es vor allem um die Entstehung des Wortes Perlagg (Berlicho Berlacho), der bis in die Straentheater der Renaissance zurckgehen soll (die Erscheinung des Teufels im Kasperlespiel). Ich denke, das Hauptproblem ist, dass sich das Spiel nicht traditionswahren verhlt, sondern jede Region sich entwickelt, und dass immer wieder Nomotheten erscheinen, die eine Neuerung einfhren wollen, obwohl das dem Spiel und seiner Universalitt nicht guttut. Bei GO und Schach ist man sich ber die Regeln international klar, das macht es leichter fr Lernende und einen Erhalt einer gewissen Kulturhhe.
Das ist eine hochinteressante Beobachtung. Der Verweis auf das Tiroler Idiotikon von Ignaz Vinzenz Zingerle (erschienen 1863) ist goldrichtig. Zingerle war ein bedeutender Volkskundler, und seine Herleitung verbindet das Spiel tatschlich mit der Theatergeschichte.
Die sprachliche Wurzel: Berlicho und Berlacho
Die Theorie, dass Perlagg von Berlicho Berlacho abstammt, rckt das Spiel in die Nhe der italienischen Commedia dellarte.
In diesen Stcken war Berlicche (oder Berlic) oft ein Name fr einen Kobold oder einen kleinen, listigen Teufel, der pltzlich auftaucht und alles durcheinanderwirbelt. Das passt perfekt zur Rolle des Perlaggs im Spiel:
  1. Er ist der Joker, der Teufel im Blatt, der jede Form annehmen kann.
  2. Er bricht die starre Hierarchie der Karten auf.
  3. Das Berlicho-Berlacho steht fr das Wie es gerade kommt oder Biegen oder Brechen genau das, was das Ratschen und Bluffen beim Perlaggen ausmacht.
Das Problem der Nomotheten (Gesetzgeber) Deine Kritik an den stndigen Neuerungen trifft den Kern: Whrend Schach oder Go durch ihre feste Struktur eine fast mathematische Erhabenheit und universelle Sprache erreicht haben, ist das Perlaggen ein lebender Organismus.
  • Regionale Zersplitterung: Dass jede Talschaft ihre eigenen Feinheiten htet (z.B. welcher Siebener nun der Spitz ist oder ob man mit 5 oder 7 Perlaggen spielt), macht es zwar zu einem wunderbaren Kulturgut, aber zu einem schwierigen sportlichen Wettkampf.
  • Kulturhhe vs. Beliebigkeit: Wenn jeder Nomothet (wie du sie treffend nennst) neue Regeln einfhrt, droht das Spiel zur bloen Wirtshaus-Anarchie zu verkommen. Der Verlust der Universalitt erschwert es massiv, das Spiel ber die Landesgrenzen hinaus bekannt zu machen oder gar einen Weltverband (wie beim Schafkopf oder Skat) zu etablieren.
    Schwaighofer (1926) als Gegenpol
    Das Werk von Schwaighofer aus dem Jahr 1926, das du erwhnt hast, war ja selbst so ein Versuch der Normierung. Er wollte das Spiel retten, indem er es schriftlich fixierte, hnlich wie der Autor des Textes von 1853, den wir gerade transkribiert haben.
    Es ist fast ironisch: Jeder, der das Spiel durch ein Regelwerk retten und vereinheitlichen will, wird im Grunde selbst zu einem dieser Nomotheten, gegen die sich die Spieler in der nchsten Zechstube dann wieder mit ihren eigenen Hausregeln wehren.
    Was ist dein Ziel fr die Webseite? Willst du eher die historische Vielfalt dokumentieren (also die verschiedenen Varianten nebeneinander stellen) oder strebst du eine Art Standard-Regelwerk an, um der von dir beschriebenen Beliebigkeit entgegenzuwirken?
    Ein Vergleich zwischen der 1853er-Version (die wir nun haben) und Schwaighofers 1926er-Ansatz wre jedenfalls ein hervorragendes Fundament fr eine kritische Auseinandersetzung mit der Regelemanzipation.
    KI-Antworten knnen Fehler enthalten. Learn more
Zweck der Arbeit zu den Regeln... GROK Ich will mit dem Zitieren der verschiedenen Varianten eine gewisse Orthodoxie, das gemeinsame aller Varianten, herausschlen. Dann kann man in jedem beliebigen Kulturkreis spezifische Varianten spielen, dies aber in dem Bewutsein, welche abgewandelte Regeln verwendet werden. Das legt dann fest, welche Probleme durch die ursprnglichen Regeln gelst werden knnen, und wozu es spezielle, vorher ausgemachte Abweichungen gibt - was den Streit minimiert, wenn z.B. Gesamttiroler Meisterschaften zu den "Innsbrucker Regeln" gespielt werden, aber keiner genau wei, was die besagen, weil man eben eine Abart oder Variante spielt, aber meint, man wre der Bewahrer der Orthodoxie.
So wre ein Abgleich der Varianten interessant, wo es zu einzelnen Punkten oder Zustze gbe, wie:
Dazu besagt die Vintschgauer Variante: blah blah,
aber die beretscher Variante: blah blah blah.
Wir, hier in Imst, spielen beispielsweise ohne den Schellsiebener als stndigen Perlagg, aber mit dem Eichelober und dem Eichelunter als Perlagg, und deshalb kann bei uns Eichel nie die Trumpffarbe sein!
Das ist ein brillanter, fast schon rechtshistorischer Ansatz!
Indem du die Orthodoxie (den gemeinsamen Kern) definierst, schaffst du ein stabiles Fundament, auf dem die regionalen Varianten als bewusste Lokalausprgungen existieren knnen.
Das nimmt dem Streit die Schrfe, da man nicht mehr ber richtig oder falsch streitet, sondern lediglich feststellt, in welchem Dialekt des Spiels man sich gerade bewegt.
Deine Beschreibung der Imster Variante ist ein perfektes Beispiel fr eine solche spezifische Abweichung:
1. Regel: Eichel-Ober und Eichel-Unter sind feste Perlaggen. 2. Logische Konsequenz: Eichel kann nie Trumpf werden, da sonst die Perlaggen-Hierarchie mit der Trumpf-Hierarchie kollidieren wrde (ein Perlagg kann nicht gleichzeitig ein normaler Trumpf sein).
3. Vergleich zur Orthodoxie: In der 1853er-Schrift (Seite 6) wurde beschrieben, dass frher oft nur die Eichel-Familie (Eichel-7, Ober, Unter) das Privileg der Perlaggschaft hatte, bevor es auf die jeweilige Trumpffarbe bertragen wurde.
In Imst hat sich also ein Stck dieser Ur-Struktur in modifizierter Form erhalten.
Fr deine Webseite: Der komparative AufbauEin systematischer Abgleich knnte so aussehen: Abb.[1]
2026-05-02.